Schulgeschichte

Das Schickhardt- Gymnasium ist das Ältere der beiden Herrenberger Gymnasien und blickt auf eine lange Geschichte zurück.

Unsere Wurzeln

Bildung mit Tradition seit 1382

Die erste höhere Schule, die in Herrenberg erwähnt wurde, ist die Lateinschule aus dem Jahr 1382. Diese bestand an unterschiedlichen Standorten.

Nach einer zwischenzeitlichen Unterbringung in den Räumen der Volkshochschule wurde am 22. März 1962 das heutige Schulgebäude im Längenholz eröffnet – als erste Schule dieses neu entstehenden Stadtteils. Damals besuchten 309 Schülerinnen und Schüler das Gymnasium.

Wachstum und Herausforderungen

Den vorläufigen Höhepunkt der Schülerzahlen erreichte das Schickhardt-Gymnasium im Schuljahr 1977/78: Rund 1.800 Schülerinnen und Schüler wurden damals im Schichtbetrieb unterrichtet.

Trotz umfangreicher Anbauten war das Schulgebäude für diese hohe Zahl langfristig nicht ausgelegt. Daher wurde mit dem Andreae-Gymnasium ein zweites Herrenberger Gymnasium gegründet.

Mit dem Andreae- Gymnasium bestehen heute enge Kontakte, so werden in der Oberstufe regelmäßig Kooperationskurse eingerichtet, wenn die Schülerzahl für die Einrichtung eines eigenen Kurses an einer Schule nicht ausreicht.

Pädagogische Meilensteine
und modernes Lernen

Eine besondere Stärke des Schickhardt-Gymnasiums war schon früh der innovative Projektunterricht: Bereits in den 1970er-Jahren setzte die Schule neue Maßstäbe im selbstständigen Lernen.

Seit 1992 sind folgende Leitgedanken fester Bestandteil des Schulalltags:

  • Selbstständiges Lernen
  • Sozial orientiertes Curriculum
  • Kompetenzorientierte Persönlichkeitsentwicklung

Das Team-Kleingruppen-Modell (TKM)

Das Team- Kleingruppen- Modell (TKM) ist ein pädagogisches Konzept, das darauf abzielt, die Schüler:innen ganzheitlich wahrzunehmen und zu unterstützen. Fachliche, soziale und organisatorische Kompetenzen werden dabei gezielt gefördert. Nach diesem Modell wird momentan in den Klassenstufen 5/6 und 9/10 bzw. im neuen G9 8/9 gearbeitet. Hier sind in der Regel vier Lehrkräfte für eine Klasse als Teamlehrkräfte verantwortlich. So unterstützen wir die Schüler:innen beim Übergang von der Grundschule auf das Gymnasium und in der Phase der Pubertät bestmöglich. Zum Teammodell gehören regelmäßige Coachinggespräche mit einer Lehrkraft aus dem Team, die sich die Schüler:innen zu Beginn des Schuljahres selbst aussuchen, ein regelmäßiger Austausch der Teamlehrkräfte untereinander und gemeinsame Aktivitäten der Klasse.

Prävention, Verantwortung und Berufsorientierung

Eine weitere Säule unserer pädagogischen Arbeit ist die Prävention, die Stärkung der Verantwortung der Schüler:innen und in den höheren Klassen die Berufsorientierung. Hier arbeiten wir auch mit vielen außerschulischen Partnern zusammen

Nach acht Schuljahren verlassen die Schülerinnen und Schüler das Schickhardt-Gymnasium als mündige und verantwortungsbewusste Persönlichkeiten.

Schülerbeteiligung und Demokratiebildung

An unserer Schule haben wir eine aktive Schülerschaft, die sich in der Schülermitverantwortung (SMV) vielfältig einbringt. Ein Highlight der Schülerbeteiligung und des demokratischen Prozesses war die Auswahl des Motivs, das seit Juli 2024 die Ostfassade unseres Schulgebäudes schmückt. Das alte Wandgemälde war verblasst und unschön geworden. Anlässlich des 60- jährigen Jubiläums im Jahr 2022 wurde auf Anregung des Fördervereins der Freunde des Schickhardt- Gymnasiums der Prozess zur Erneuerung der Fassade angestoßen. Da das Gemälde unsere Schulgemeinschaft möglichst gut repräsentieren sollte, gaben alle Schülerinnen und Schüler einen Entwurf für die Neugestaltung der Ostfassade ab. Nach einer klasseninternen Abstimmung wurden die besten 37 Entwürfe online zur Abstimmung gestellt, an der sich die gesamte Schulgemeinschaft beteiligte. Nun war wieder die gesamte Schülerschaft gefordert. Über 150 Schüler:innen aus den Klassenstufen 5- 12 arbeiteten in wechselnden Besetzungen jede Woche vier Stunden über zweieinhalb Schuljahre hinweg an der Übertragung des Motivs auf die über 80 Platten, aus denen sich die Ostfassade zusammensetzt. Auch an den Projekttagen wurde fleißig gemalt und immer wieder überprüft, ob das Motiv auf den Platten zusammenpasst. Seit Mai 2024 schmückt nun dieses Gemeinschaftsprojekt die Ostfassade über dem Haupteingang.

Die Namensgeber des Schickhardt-Gymnasiums

Als Namensgeber für unsere Schule kommen zwei Personen aus der Herrenberger Familie Schickhardt in Frage: Heinrich Schickhardt und Wilhelm Schickhardt.

Heinrich Schickhardt –
Vom Schreiner zum Hofbaumeister

Heinrich Schickhardts Aufstieg zum Architekten begann, als sein Talent erkannt und er als Polier beschäftigt wurde. Gefördert wurde seine Karriere durch die Heirat mit Barbara Grüninger, der Tochter des Herrenberger Bürgermeisters, sowie durch den Obervogt Hans Burkhard von Anweil. Zunächst arbeitete Schickhardt als Landvermesser bei Gericht.

Sein Aufstieg zum herzoglichen Baumeister, Architekten und Ingenieur begann um 1590 und wurde besonders durch Herzog Friedrich von Württemberg gefördert. Schickhardt erhielt zahlreiche Aufträge in Württemberg und darüber hinaus. Zu seinen wichtigsten Arbeiten zählen die Neuplanung der abgebrannten Stadt Schiltach, Bauwerke in Tübingen, Stuttgart und der Grafschaft Mömpelgard sowie zahlreiche Stadtplanungen, unter anderem für Freudenstadt.

Sein Renaissance-Stil wurde durch Italienreisen und die Architektur Andrea Palladios beeinflusst. Bedeutend war er jedoch vor allem als technisch versierter Pragmatiker und als Stadtplaner, der durch wohlgeordnete, großzügige Anlagen nachhaltige Spuren hinterließ.

Quelle: Wikipedia
Quelle: Wikipedia

Wilhelm Schickhardt –
Der Universalgelehrte

Wilhelm Schickhardt wurde am 22. April 1592 in Herrenberg geboren und starb am 24. Oktober 1635 in Tübingen. Er war der Neffe des oben erwähnten Baumeisters Heinrich Schickhardt. Sein Vater Lucas Schickhardt war Schreiner und zeitweise Bürgermeister von Herrenberg.

Wilhelm Schickhardt studierte an der Universität Tübingen, wo er sich mit Theologie, Mathematik, Astronomie, Kartografie, Orientalistik und Hebraistik beschäftigte. 1619 wurde er dort Professor für Hebräisch. Später lehrte er auch Astronomie und Mathematik. Er stand in engem Austausch mit bedeutenden Gelehrten seiner Zeit, unter anderem mit Johannes Kepler, mit dem er einen umfangreichen Briefwechsel führte.

Schickhardt befasste sich intensiv mit technischen und mathematischen Problemen. Bekannt ist er unter anderem für die Konstruktion einer mechanischen Rechenmaschine um 1623, die als eine der frühesten bekannten Rechenmaschinen gilt. Daneben arbeitete er an Landkarten, astronomischen Instrumenten und Kalenderberechnungen.

Neben seinen naturwissenschaftlichen Arbeiten veröffentlichte Schickhardt zahlreiche Schriften zur hebräischen Sprache, zum Alten Testament und zur jüdischen Kultur. Er versuchte, biblische Texte mit mathematischen und historischen Methoden zu analysieren.

Wilhelm Schickhardt starb während einer Pestepidemie in Tübingen.