Schulgeschichte

Die Schulgeschichte

Die Ursprünge des Schickhardt-Gymnasiums reichen bis ins Jahr 1382 zurück – das Gymnasium steht in der Tradition der damals bereits schriftlich erwähnten Lateinschule in Herrenberg. Das Gebäude – wenngleich nicht das jüngste – ist erheblich jünger. Nach zwischenzeitlicher Unterbringung in den Räumen der Volkshochschule wurde am 22. März 1962 das heutige Gebäude des Schickhardt-Gymnasiums als erste Schule im Längenholz eröffnet. Die Schule besuchten damals exakt 309 Schüler.

Den vorläufigen Höhepunkt in der Zahl der Schüler bildete das Schuljahr 1977/78 – rund 1.800 Schülerinnen und Schüler wurden damals im Schichtbetrieb unterrichtet. Auf diese Schülerzahl war das Gebäude jedoch trotz eines erheblichen Anbaus nicht ausgelegt; ein zweites Herrenberger Gymnasium, das Andreae-Gymnasium wurde gebaut.

Eine Besonderheit des Schickhardt-Gymnasiums war der besonders frühe Einsatz von Projektunterricht in den 1970-er Jahren. Bereits seit 1992, lange vor Inkrafttreten des aktuellen Bildungsplans von 2004, waren selbstständiges Lernen und ein sozial orientiertes Curriculum ein wesentlicher Bestandteil des Schulllebens am SGH. Insbesondere in den Klassenstufen 5 und 6 arbeiten Schülerinnen und Schüler mit Lehrerinnen und Lehrern gemeinsam im so genannten Team-Kleingruppen-Modell (TKM) an fachlichen, organisatorischen und sozialen Herausforderungen. Mit Gewaltprävention und Streitschlichtung, Rhetorik, praktischer Arbeit um sozialen Bereich und späterer allgemeiner Berufsorientierung zieht sich der rote Faden der kompetenzorientierten Erziehung und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen durch die gesamte schulische Laufbahn. Nach acht, bzw. neun Schuljahren am SGH verabschieden wir, inzwischen als anerkannte Ganztagesschule, die Schülerinnen und Schüler im Sinne unseres Leitbildes als mündige und verantwortungsvolle Persönlichkeiten.

 

Der/die Namensgeber
Bei der Namensgebung Schickhardt-Gymnasium legt sich die Schule nicht so genau fest, auch wenn auf der Fassade des Gebäudes Wilhelm Schickhardt abgebildet ist.

Aus der Familie Schickhardt sind zwei Persönlichkeiten herausragend:
der Baumeister Heinrich und der Universalgelehrte Wilhelm.

Erstmals erwähnt wird die Familie in Steuerlisten aus dem Jahr 1503. Heinrich Schickhardt war Schreiner und gewann im aufstrebenden Landstädtchen Herrenberg rasch an Ansehen, ohne dabei zu großem Reichtum zu gelangen.

Als Enkel des Schreiners Heinrich Schickhardt wurde der Baumeister Heinrich Schickhardt 1558 als ältester von vier Kindern geboren.
Der Gepflogenheit der Zeit folgend erlernte er bei seinem Vater das Schreinerhandwerk. Als 20-jähriger begegnete er dem Hofbaumeister Georg Beer, der Heinrich Schickhardts Talent erkannte und ihn als „Polier“ beschäftigte. Damit begann der Wandel vom Schreiner zum Architekten. Begünstigt wurde der Aufstieg Heinrich Schickhardts durch die unstandesgemäße Heirat mit der einzigen Tochter des Herrenberger Bürgermeisters Hans Grüninger und die Förderung durch den Obervogt von Herrenberg, Hans Burkhard von Anweil, für den Schickhardt ein Schlösschen in Mötzingen erbaute. Zunächst aber begann seine Karriere bei Gericht, bei dem er aufgrund seiner Vermessungskunst als Landvermesser beschäftigt war. Aus der Ehe mit Barbara Grüninger gingen acht Kinder hervor, die alle vor ihrem Vater starben.

Worin besteht die Bedeutung Heinrich Schickhardts?

Der Aufstieg Heinrich Schickhardts zum herzoglichen Baumeister, Architekten und Ingenieur begann etwa um 1590. Vor allem Herzog Friedrich (ab 1593) förderte ihn und gab ihm viele Aufträge, die durch Bauten und Planungen außerhalb Württembergs ergänzt wurden.

Einige seiner Tätigkeiten:

  • Neuplanung der Stadt Schiltach, die nach einem Brand völlig zerstört war
  • Neues Kollegium und Marktplatzbrunnen in Tübingen
  • Vielfältige Bautätigkeit in der Grafschaft Mömpelgard, also den linksrheinischen Besitztümern Württembergs, zahlreiche Bauwerke in Mömpelgard (heute Montbéliard) wie Kollegium, Neustadt und die Kirche St. Martin
  • Neuer Marstall in Stuttgart
  • Stadtplanung für Freudenstadt, Oppenau, Vaihingen, Clerval, Balingen und Lößburg
  • Lustgarten in Stuttgart und Pomeranzengarten in Leonberg
  • Stadtkirche in Göppingen und Cannstadt

Schickhardts Renaissance-Stil wurde geprägt durch zwei Reisen nach Italien, die ihn inspirierten, wobei vor allem die Bauten von Andrea Palladio großen Eindruck auf ihn machten. Wesentlich für sein Schaffen waren aber technische Lösungen, etwa beim Bau von Münzprägevorrichtungen, Schöpfwerken oder Pulvermühlen. Er war ein bodenständiger Pragmatiker, der aus der Praxis für die Praxis lernte. Die meisten Spuren hinterlassen hat Heinrich Schickhardt als Stadtplaner und Städtebauer – wohlgeordnete, planmäßige und großzügige Anlagen wie in Freudenstadt.

Heinrich Schickhardt wurde im Januar 1635 von einem Soldaten, der seine Base belästigte, erstochen.

Am 22. April 1592 wurde in Herrenberg Wilhelm Schickhardt geboren. Der Baumeister Heinrich Schickhardt war sein Onkel, ein zweiter Onkel, der Pfarrer Philipp, spielte in Wilhelms Leben eine wichtige Rolle.

Wilhelms Mutter war die Tochter des Gärtringer Pfarrers Wilhelm Gmelin, stammte somit aus einer Familie, die einige bedeutende Naturforscher hervorbrachte.